(Hamburg) Verbaler Sadismus, politische Propaganda, rhetorischer Zynismus – für Buchautor Wolf Schneider ist das alles Medienalltag. Der bayrische Journalist und Verleger hält in seinem neuen Buch „Zauberkraft der Sprache“ einem ganzen Berufsstand den Spiegel vor.
In diesem Überblickswerk zum Sprachgebrauch nähert sich Schneider der Philologie auf unkonventionelle Art, indem er in Philosophie und Religion nach den Wurzeln des Sprachverständnisses sucht. Und auf dieser Reise will Schneider den Leser ganz nebenbei von seiner Sprachgläubigkeit befreien. Er warnt vor dem Irrglauben, dass sich der Mensch einer kommunikativen Beeinflussung durch bloße Ignoranz entziehen könne. Denn Schneider weiß, dass der Mensch auch in diesem Zustand Empfänger und Sender von Informationen ist. Deshalb soll der Leser Medienprodukte kritischer hinterfragen.
Philosoph und Journalist Dr. Bernhard A. Grimm pflichtet Schneider in seiner Rezension des Werkes bei: „Jedenfalls ist Sprache letztlich nie (streng) monologisch, sie wirkt vielmehr stets zurück.“ Und er unterstreicht Schneiders Kritik an den Medien, die „sich sehr wohl den Schuh dafür anziehen müssen, dass die kommunikative Qualität des Zwischenmenschlichen heute so sehr geprägt ist von Verletzendem, von Entpersönlichendem und Entwertendem.“ Hält man sich den durchschnittlichen Medienkonsum von rund zehn Stunden pro Tag vor Augen, so wird Schneiders Empfehlung für eine sorgsame Auseinandersetzung mit dem Medienalltag verständlich. Zusätzliche Bedeutung gewinnt diese Erkenntnis auch durch die Tatsache, dass die Konstruktion neuer medialer Realitäten mittlerweile zum Alltag gehört. Das Streben nach Authentizität im Sinne einer positiven medialen Darstellung ist für den lebensnahen Journalisten eine Perversion. Auch Imagebildung geht als konstruierte Realität aus Deutungsprozessen der gesamten Öffentlichkeit hervor. Politische Parteien „besetzen“ zum Beispiel Begriffe, indem sie entweder ein neues Wort kreieren oder einem bestehenden Wort eine neue Interpretation zugrunde legen. Der Autor warnt vor diesem Sprach-Missbrauch, indem er auf die negativen Erfahrungen mit politischer Propaganda verweist.
„Zauberkraft der Sprache. Wie Sprache wirkt und Kommunikation gelingen kann“ so der volle Titel des Werkes aus dem KOHA-Verlag zeigt, wie Sprache funktioniert und woran sie scheitert. Schneider stellt in seinem neuen Buch auch Ursprung und Entwicklung der heutigen Kommunikationsformen dar. Markus Peick vom 3sat-Magazin nano schreibt dazu in seiner Rezension: „Schneider fasst das Wesen der Sprache im Grenzbereich von Philosophie und Wissenschaft aufs Angenehmste zusammen [...].“ Das ausschlaggebende Moment zum Sprachgebrauch und -verständnis ist für den Sprachforscher Schneider die kulturelle Prägung, da Worte nicht nur eine inhaltliche Bedeutung haben, sondern auch emotional behaftete Assoziationen auslösen. Schneider fordert deshalb dazu auf, sich näher mit den täglich konsumierten Informationen zu beschäftigen und sie zu hinterfragen. In “Zauberkraft der Sprache” gibt er wichtige Denkanstöße dafür.
Wolf Schneider, Jahrgang 1952, wuchs in Süddeutschland auf und studierte in München Naturwissenschaften und Philosophie. Er machte ausgedehnte Reisen durch Europa und Asien, bevor er buddhistischer Mönch wurde. Heute ist er Verleger und Redakteur verschiedener Magazine (”connection”) und widmet sich bereits seit 1992 in seinen Seminaren und als Schreibcoach dem richtigen Umgang mit Sprache und Kommunikation.